Neun hoch spannende Tage. Die zweite  Zukunftsakademie war eine geglückte Mischung: Workshops, Vorträge, Debatten, Erarbeitung transformativer Projekte, Exkursionen uvm.
Hier findet ihr Eindrücke und Ergebnisse der Zukunftsakademie 2023. Viel Spaß beim Schmökern …

Workshops
Ergebnisse und Eindrücke

23 Workshopleiter:innen gaben 16 Workshops zu zentralen Themen der sozial-ökologischen Transformation: Biodiversität, Wasser, postkolonialer Klimagerechtigkeit, Ökozid, wie mit Rechten (nicht) diskutiert werden muss, mit rechtlichen Mitteln die Welt verändern, Utopien, Zeitpolitik, Tätig-sein statt Erwerbsarbeit, das gute Leben für alle, Ökofeminismus, Rechte der Natur und indigene Perspektiven, Anti-Rassismus, Campaigning, Organizing uvm.
Ein großes Danke an die Workshopleiter:innen (zufällige Reihenfolge) Baro, Jochen, Wiebke, Tobi, Sara, Mel, Methu, Peter (Donatus), Patrica, Christian, Vienna, Peter (Biedermann), Lina (Hansen), Johannes, Garib, Nik, Lina (Graf), Lucía, Jörg (Vauban-Führung), Michael, Johannes (Führung Luzernenhof), Estelle, Simone

Dankeschön: eure Workshops waren großartig.

Klimakrise: Umwelt- / Klimagerechtigkeit aus dekolonialer und rassismuskritischer Perspektive

Die jahrhundertelange rücksichtlose Zerstörung der Umwelt ist zweifelsfrei die Hauptursache der bereits fortgeschrittenen, von Menschen gemachten globalen Klimakatastrophe bzw. Umweltkrisen; sie treiben die Katastrophe immer weiter voran. In den Diskursen und bei den Entscheidungsfindungsprozessen werden die Perspektiven, Positionierungen und Lösungsansätze des Globalen Südens viel zu oft ignoriert bzw. verdrängt, und dies obwohl die Länder des Globalen Südens am wenigsten zur Verursachung beitragen, jedoch am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden.
Ziel des Workshops ist die verdeckten und verdrängten kolonialgeschichtlichen und neokolonialen Ursachen, Dynamiken und Auswirkungen der Klimakatastrophe – aber auch die Verantwortlichkeiten (Wirtschafts- bzw. Umweltkriminalität) auf lokalen und globalen Ebenen – zu identifizieren und sie aus dekolonialer und rassismuskritischer Perspektive zu beleuchten. Des Weiteren stellt der Referent einen Lösungsansatz aus vier Säulen vor.

Workshopleiter: Peter Emorinken-Donatus

Peter Emorinken-Donatus ist freier Journalist, Preisträger des Panter-Preises 2022 der Tageszeitung (die taz), Bildungsreferent, Umweltaktivist und langjähriger Gegner des Shell-Konzerns; er lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Peter Emorinken-Donatus ist u. a. Mitinitiator und Sprecher der Bewegung „Bündnis Ökozidgesetz“, die sich mit dem Ziel der Kriminalisierung des Ökozids gegründet hat.
Zusammen mit einigen in Deutschland lebenden Expert*innen aus dem Globalen Süden gründete er vor kurzem einen neuen BIPoC-Think-Tank: „Care & Repair – Decolonial Think-Tank For Environmental Justice“.

Fluchtgrund Klimakrise – Klimagesichter

Die Klimakrise wird sich verschärfen: Schon heute gibt es viele Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten zum Umgang mit dem Klimawandel, die erzählt werden müssen. Um diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die besonders unter der Klimakrise leiden, hat die deutsche Klimastiftung das Projekt KlimaGesichter ins Leben gerufen. Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung treten als  Klimabotschafter*innen auf, um über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Klimakrise zu berichten. Schnell merken wir, wie wenig wir in unseren Forderungen nach Klimagerechtigkeit diejenigen berücksichtigen, deren Leben bereits heute massiv durch die Klimakrise beschädigt worden sind. Das Ziel des Workhops in einem breiten, interkulturellen Austausch über Klimagerechtigkeit nachzudenken.

Workshopleitung: Garib Hasu und eine weitere Person der Aktion Klimagesichter

Warum eine dekoloniale Perspektive auf die Klimakrise notwendig ist

Die Klimagerechtigkeitsbewegung hat seit den großen Mobilisierungserfolgen von Fridays for Future viel erreicht. Junge, meist weibliche, gut ausgebildete Menschen fordern lautstark eine lebenswerte Zukunft auf einem intakten Planeten ein. Auffällig ist jedoch das weitgehende Fehlen vieler gesellschaftlicher Gruppen und Schichten. Ist dieses Fehlen die „Schuld“ der Armen und Diskriminierten, weil ihnen die Zukunft vordergründig egal ist (so lautet eine häufige die Diskriminierung rechtfertigende Erzählung) oder ist die Klimagerechtigkeitsbewegung exklusiv und schließt nicht-akademische, nicht-weiße, nicht-privilegierte Menschen aktiv aus?

Workshopleitung: Lucía Muriel, glokal e.V.

Lucía Muriel ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Trauma, Migration und Ausgrenzungserfahrungen.
Seit drei Jahrzehnten setzt sie sich für soziale Gerechtigkeit für Migrant*innen und Menschen in Flucht bei der Stärkung ihrer Teilhabe und Selbstermächtigung ein. Genau so lange prägt sie bundesweit die Diskurse zu Antirassismus, Gender, Empowerment, Dekolonisierung in Bildung und im öffentlichen Raum.
Die Gründung einer Reihe von migrantisch -diasporischen Netzwerken und Verbänden geht auf die Initiative von Lucía Muriel zurück. Sie ist Autorin von „Die bundesdeutsche Eine-Welt aus einem Guss?“, 2014.

Gegenwärtig leitet sie bei glokal e.V. das Projekt Klima Dekolonial und solidarisch

BIPoC (Black, Indigenous, and People of Color) wollen sich in der Außenwahrnehmung der Klimabewegung als gleichgestellt und auf Augenhöhe wiederfinden. Sie wollen Stigmatisierungen als Opfer nicht mehr hinnehmen und als selbständige, Menschen mit besonderen Stärken und Expertisen wahrgenommen werden. In den Bildungsdebatten der letzten Jahre zeichnet sich immer deutlicher die Notwendigkeit ab, Bildungsprozesse zu dekolonisieren. Die Unsichtbarkeit des Einen verstärkt immer die Dominanz des weißen Selbstbildes in der Gesamtgesellschaft und stilisiert sich fälschlicherweise sogar zu den „savior of the planet“. Die Klimaschutz-orientierte Bildungsarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen erreicht viele Menschen in Deutschland, jedoch ist bisher das Bild von Umweltschützer_innen aus dem Globalen Süden und von Schwarzen Menschen und People of Color in Deutschland kaum präsent bzw. ungleich weniger.

Für viele weiße deutsche Klimaaktivisten besteht die Selbstverständlichkeit, Klimagerechtigkeit mit einer historische Kontinuität von Ausgrenzung und Rassismus zu denken nicht mehr, sie wollen Teil der Dekolonisierung, Emanzipation und der Gerechtigkeit werden. Im Workshop wollen wir die Wege, Chancen und Herausforderungen für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe genau betrachten. Wir präsentieren dafür die in glokal publizierte 30 seitige Mappe zur dekolonialen Erinnerungsarbeit mit dem Titel „Ich kehre millionenfach zurück“.

Zeitpolitik – Zeit und der Zeiten Ende: Ökologie und Apokalypse

Was hat Zeit mit Ökologie zu tun? – Zu unserer Zeit lässt sich im Unterschied zu vorherigen Zeiten wohl zum ersten Mal sagen, dass sich Ökologie wesentlich als ein Zeitproblem darstellt: Uns verrinnt die Zeit unter unseren werktätigen Händen, während wir auf Kipppunkte zurasen, die die ökologische Nische namens Erde im Ganzen aus ihrem Gleichgewicht zu bringen drohen. Natur zeigt sich nicht länger als eine stabile Kreisbewegung (zyklische Zeit), sondern offenbart bedrohlich die Möglichkeit eines point of no return – sie scheint also schnurstracks und erschreckend linear auf einen Zeitpunkt hinzusteuern, nach dessen Eintreten sie nie wieder dieselbe sein wird. Diese neue Eigenzeit der Natur zeugt jedoch vor allem von der katastrophalen Dynamik rationaler Weltaneignung durch effektive Zeitnutzung, durch eine Ökonomie der Zeit also, die jeden Moment „produktiv“ nutzen zu müssen glaubt. Apokalypse – übersetzt „Entschleierung“ oder „Offenbarung“ – ist unsere heutige Zeit also vor allem angesichts unseres selbstverschuldeten Zeitverlustes durch irres zweckrationales Tätigsein.
In diesem Workshop möchte ich versuchen mit euch herauszuarbeiten, wie unser Verständnis von Zeit und die Frage, was wir mit ihr anfangen, dazu beträgt, dass die Zeit in katastrophaler Weise knapp wird. Damit steht die Frage im Raum, ob wir anders und besser mit unserer Zeit umgehen könnten. Kann es gelingen der geschichtlichen Ohnmacht eine kluge Ökologie der Zeit entgegenzustellen, die nicht bloß der Natur Zeit zum Durchatmen verschaffen könnte, sondern auch uns selbst?

Workshopleitung: Jochen Gimmel (Philosoph)

Jochen Gimmel (Dr. phil.) ist Philosoph aus Freiburg. Er hat sich sowohl im Bereich der theoretischen, wie auch der praktischen und politischen Philosophie mit Fragen nach den Potentialen und Grenzen kritischen Denkens in der Moderne befasst und dabei u.a. mit Themen der Zeitpolitik, der Spannung von Ökonomie und Ökologie und Fragen nach dem ‚guten Leben‘.

Von der imperialen zur solidarischen Lebensweise

Unsere derzeitige Lebens- und Produktionsweise geht auf Kosten von Mensch und Natur. Wie könnte eine Transformation zu einer solidarischen Lebensweise aussehen? Welche Strategien können wir hierbei verfolgen? Ausgehend von dem Konzept der imperialen Lebensweise lädt der Workshop dazu ein, sich anhand von bereits gelebten Alternativen mit möglichen Wegen in eine solidarische Lebensweise auseinanderzusetzen. Wir setzen die Schwerpunkte des Workshops gemeinsam, abhängig von den Erfahrungen und Interessen der Teilnehmer*innen.

Workshopleiterin: Wiebke Thomas, I.L.A.-Kollektiv

Wiebke Thomas ist Politikwissenschaftlerin und Degrowth-Aktivistin. Seit 2017 engagiert sie sich im I.L.A. Kollektiv und leitete von 2019 bis 2021 die dritte I.L.A. Werkstatt zu Strategien und Projekten einer sozial-ökologischen Transformation: www.ilawerkstatt.org

Wiebke Thomas

Wasser – die Klimakrise ist eine Wasserkrise

Angesichts des eklatanten Versagens der weltweiten Klimaschutzpolitik muss sich auch Deutschland auf zunehmende Dürren und stärkere Hochwasserkatastrophen einstellen. Die Grundwasserneubildung geht zunehmend zurück und Nutzungskonkurrenzen um die rarer werdenden (Trink-)Wasserressourcen werden voraussichtlich drastisch zunehmen. Was muss zur Vorsorge und Anpassung unternommen werden – von der Kommune bis hoch zur EU? Taugt die vom Bundeskabinett am 15. März 2023 verabschiedete „Nationale Wasserstrategie“, um die deutsche Wasserwirtschaft zukunftsfähig und enkeltauglich aufzustellen? Wir werden das u.a. im Rahmen eines Rollenspiels zur umstrittenen Vergrößerung einer Trinkwassertalsperre ausprobieren.“

Workshopleitung: Nick Gailer, Wasseraktivist, Wisseschaftler, Dozent, Gutachter und Lina Graf, Referentin für Wasserthemen

Nikolaus Geiler ist Binnengewässerkundler (Limnologe), arbeitet freiberuflich in der Wasserwirtschaft und setzt sich seit über 50 Jahre für den Gewässerschutz ein. Geiler vertritt die Umweltverbände in zahlreichen wasserwirtschaftlichen Gremien (beispielsweise von der Internationalen Reinschutz-Kommission über den „nationalen Wasserdialog“ und verschiedene DIN-Normungsausschüsse bis hin zu einer Vielzahl von Verbändeanhörungen zu neuen Wassergesetzen und -Verordnungen). Er ist darüber hinaus u.a. Lehrbeauftragter für Wasserrecht an der Uni Freiburg.

Lina Graf (BSc. Mathematik) ist Masterstudentin der Hydrologie, Referentin des Umweltreferats der verfassten Studierendenschaft der Uni Freiburg und setzt sich für wasserbezogenen Umweltschutz ein. Graf ist in Gremien der Universität sowie auf kommunaler, bundesweiter und EU-Ebene aktiv, sowohl im wasserwirtschaftlichen Kontext als auch im Umweltschutz. Ihr Motto: Wasser ist der Knackpunkt im Umweltschutzes und der Klimaanpassung.

After Work: Warum die 40 Stunden Woche enden muss

Jede Woche über 40 Stunden im Büro und montags schon dem Wochenende entgegenfiebern – ein erfülltes Leben sieht anders aus. Doch trotzdem ist eine Welt ohne Lohnarbeit für viele kaum vorstellbar. Aber ist sie wirklich alternativlos?
Tobi Rosswog lebt sein Konzept: Er ist ein vehementer Kritiker der Lohnarbeit, wie wir sie heute kennen und ausüben und sagt der Lohnarbeitsgesellschaft den Kampf an. Im Workshop werden die Schwächen des vorherrschenden Konzepts aufgezeigt und Alternativen erarbeitet. Auch wenn es für viele Workhoholics und diejenigen die davon besonders profitieren eine Zumutung zu sein scheint: Es kann auch ganz anders gehen – ohne dabei untätig zu sein. Denn auf Lohnarbeit zu verzichten heißt nicht, sich auf die faule Haut zu legen. Es bedeutet vielmehr, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und Sinnvolles zu tun.
Der Workshop versteht sich als Einladung, den eigenen Alltag zu verändern und außerhalb der Box zu denken. Am Anfang stehen dabei die Fragen »Was brauche ich wirklich?« und »Welche Alternativen zur materiellen Existenzsicherung gibt es?«. Dabei geht es darum, das Arbeitsleben selbst anders zu organisieren, etwa durch Teilzeit, Jobsharing oder Arbeiten im Kollektiv ohne Chef. Das Buch zeigt dazu zahlreiche Wege auf – man muss sie nur mutig beschreiten …

Workshopleiter: Tobi Rosswog (Aktivist, Autor, Initiator)

Als Aktivist, freier Dozent, Autor und Initiator ist Tobi Rosswog unermüdlich für die sozial-ökologische Transformation unterwegs. Mit all seiner Zeit und Energie setzt er sich für den Wandel ein – hin zu einer Gesellschaft jenseits von Arbeit, Eigentum, Geld und Tauschlogik. Seit über zehn Jahren ist er in diesem Sinne aktiv und lädt in rund 150 Vorträgen im Jahr zum Perspektivwechsel ein. Unter anderem initiierte er die Bewegung living utopia, das BildungsKollektiv imago, das Medienkollektiv Wandelwerkstatt, den solidarischen Mitmachbahnhofskiosk zur molli und die utopischen Freiräume Funkenhaus sowie das K20 Projekthaus mit, um diese Ideen praktisch erfahrbar zu machen. Er schrieb das Buch »AFTER WORK« (2018) sowie als Teil des I.L.A. Kollektivs» Das Gute Leben für Alle« (2019) und auch als Teil des Redaktionskollektivs Autokorrektur das »Aktionsbuch Verkehrswende« (2021) und veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Büchern, Zeitungen sowie Zeitschriften oder Artikel als Redakteur des NANU-Magazins.

Hoffnung durch Handeln: Die Herausforderungen der multiplen Krisen in Chancen für persönliches Wachstum wandeln

Wie können wir angesichts den Multiplen Krisen handlungsfähig werden und bleiben? Wie können wir verhindern, dass uns die Angst vor der ungewissen und in (großen) Teilen negativen Zukunft lähmt? Lass uns gemeinsam erkunden, wie wir mit den ausgelösten Gefühlen umgehen können und lass uns die dahinterliegende Bedeutung und ganz individuelle Richtung herausfinden. Lass uns den Druck herausnehmen, die Welt allein retten zu müssen, sondern durch Handeln Hoffnung finden, dass wir einen Beitrag leisten können für die Welt, wie wir sie uns wünschen.

Aufbauend auf dem Konzept „Active Hope“ der amerikanischen Ökophilosophin Joanna Macy wollen wir uns den Fragen stellen, was uns in unserer Handlungsfähigkeit (noch) blockiert und wie wir, mit dem wer wir sind, in unsere Stärke und in eine aktive Hoffnung finden. Von der Hoffnungslosigkeit, der Entmutigung oder der Desillusionierung hin zum Engagement, zur Belebung und zur Befähigung, uns für Veränderungen einzusetzen.

„Active Hope is waking up to the beauty of life on whose behalf we can act. We belong to this world and we are here to play our part.“

Workshopleiterinnen: Johanna Freund und Katharina Feßler (Psychologinnen, Psychologists for Future)

Die Psychologin und Friedens- und Konfliktberaterin Johanna Freund unterstützt Menschen, Organisationen und Behörden auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen, gerechten und gewaltfreien Zukunft. Von der Internationalen Zusammenarbeit in Kolumbien über Qualifizierungsmaßnahmen im Zivilen Friedensdienst, von Kommunikationstrainings für Ärzt:innen über Unterstützung für Klimaaktivisti nutzt sie einen ganzheitlichen Ansatz und ein positives Menschenbild als Basis ihrer Arbeit.

Die Psychologin Katharina Feßler begleitet inneren und äußeren Wandel. Ihr Fokus in der Arbeit und ihre Begeisterung liegt auf dem innerpsychischen Geschehen des Menschen. Diesen Blickwinkel möchte Sie mit dem aktuellen Weltgeschehen und notwendigen Transformationsprozessen zusammenbringen, wobei sie derzeit in einer Praxis tätig ist und verschiedene Workshops leitet.

Campaigning – Kampagnen erfolgreich machen

Damit sozialer Wandel und eine friedliche Zukunft möglich werden, braucht es Aufklärung und langfristigen Druck. Einzelne Aktionen alleine können dies meist nicht leisten. Im Gegensatz dazu sind mehrere, eskalierend aufgebaute Aktionen und unterschiedlichste Aktionsformen der Kern von erfolgreichen Kampagnen. In diesem Workshop werdet ihr in Kleingruppen am Beispiel einer konkreten Kampagnenidee exemplarisch wichtige Schritte für erfolgreiche Kampagnenplanung kennenlernen.

Workshopleiterin: Sara Fromm, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin

Sara Fromm (sie/mensch) ist Nachhaltigkeitswissenschaftlerin und Aktionskoordinatorin beim Netzwerk „Stay Grounded“, freiberufliche Moderatorin und Trainerin bei der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion und in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv.

Die Energiewende als Voraussetzung der bevorstehenden Dekarbonisierung / Defossilisierung

Die Energiewende ist nicht alles, doch ohne sie werden alle unsere Bemühungen scheitern eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Lebensweise zu erreichen. Stand 2023, nach 30 Jahren Energiewende, beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoenergieverbrauch rund 20 Prozent. Um in den verbleibenden 22 Jahren die anderen 80 Prozent zu defossilisieren, bedarf es einer gewaltigen Transformation der Energieherstellung und -nutzung. Der Workshop vermittelt die Grundlagen um die Debatten um das komplexe Thema Energiewende verstehen und mitgestalten zu können.

Workshopleiterinnen stehen noch nicht fest

Klimaschutzkritik von rechts kontern

Klimawandelleugnung, Angriffe gegen Aktivist:innen, rechtspopulistische Instrumentalisierung der industriepolitischen Krise – die extreme Rechte will das Thema Klimaschutzkritik besetzen.

Dieser Workshop gibt einen Überblickt zu (extrem) rechten Interventionen rund um das Thema Klimaschutzdebatte. Das Training unterstützt die Teilnehmenden sich gegen Klimawandelleugnung, völkisches Heimatschutzdenken und Verschwörungserzählungen zur Wehr zu setzen. Der Workshop fokussiert auf den Umgang mit Strategien, Bildern und Erzählungen, die von (extrem) rechten AkteurInnen genutzt werden. Er kann jedoch eine Beschäftigung mit allgemeinen Argumenten in der Klimaschutzdiskussion nicht ersetzen.
Der 5-stündige Workshop stärkt vor allem die Kommunikationspraxis in unterschiedlichen Situationen: Diskutieren, positionieren, etwas anderes tun? Die Teilnehmenden schärfen ihr Bewusstsein dafür, wie sie in diesen Situationen jeweils sinnvoll handeln können und wollen. Auf der Argumentationsebene behandeln wir eine Auswahl von Argumentationsmustern rund um Klimaschutzkritik, die von (extrem) rechter Seite eingebracht werden sowie natürlich eigene Gesprächsstrategien, die dann live ausprobiert werden können.
Der Workshop wechselt zwischen audiovisuellen Inputs, interaktiven Diskussionen und verschiedenen Trainingseinheiten in Kleingruppen.
Das Konzept von GEGENARGUMENT unterstützt den Umgang mit (extrem) rechten, rassistischen, antifeministischen, antisemitischen Aussagen. Das Netzwerk bietet seit 2010 bundesweit Seminare, Webinare und andere Bildungsformate an.

Workshopleiter:innen

Methu Thavarasa (kein Pronomen) ist deutsch sozialisierte*r Eelam Tamil*in. Seit 2017 widmet sich Methu politischer Bildungsarbeit für Erwachsene und an Schulen. Im Rahmen von Trainings, Fortbildungen und Vorträgen arbeitet Methu intersektional und machtkritisch zu den Themen Kommunikation gegen Rechtspopulismus, Antirassismus, kritisches Weiß-Sein, Allyship und Diversität. Seit 2022 ist Methu Teil von Netzwerk Gegenargument. Methu gibt Empowermenttrainings für rassismuserfahrene Menschen und ist Moderator*in mit explizitem Fokus auf angewandte Intersektionalität und struktureller Diskriminierung.

Nadja Kaiser (sie/ihr) ist im Osten Deutschlands aufgewachsen und wurde u.a. im Kontext der rechten Mobilisierungen in den 90er Jahren politisch sozialisiert. Sie engagiert sich seit 2011 in der diskriminierungssensiblen und historisch-polischen Bildungsarbeit. Seit 2020 ist sie Teil des Netzwerks Gegenargument und bietet in diesem Rahmen Argumentations- und Handlungstrainings zu verschiedenen Themen an. Ihre Schwerpunkte sind Ideologie und Erscheinungsformen der extremen Rechten, Antifeminismus, Klassismus und Gedenkstättenpädagogik.

Juristische Hebel für die Transformation 1: Klimaklagen u. ä.

Recht prägt und regelt unser Wirtschaften und Zusammenleben. Sowohl international als auch national werden Klimaziele vermehrt durch Gesetze und Abkommen verankert. Auch „Klimaklagen“ sind zunehmend erfolgreich, wie auch der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts gezeigt hat. Dadurch kommt dem Recht eine immer größere Rolle beim Klimaschutz und der Begrenzung der Erderwärmung zu. Kann Klimaschutz durch Recht gelingen, und wenn ja, wie?
Anhand aktueller Gesetze, Urteile und „Klimaklagen“ wollen wir gemeinsam verstehen, welche Instrumentarien das Recht kennt, um Rahmenbedingungen für Klimaschutz zu schaffen: Welche Wirkkraft haben völkerrechtliche Verträge, was leistet die nationale Gesetzgebung und welche Rolle nimmt die EU dazwischen ein? Und was sind eigentlich „Klimaklagen“?
Von da aus möchten wir weiterdenken: Was müsste das Recht eigentlich leisten, um effektiven Klimaschutz zu fördern? Wo sind seine Grenzen? Gibt es Vorbilder in anderen Ländern?
Wenn ihr euch dafür interessiert, wie junge Menschen Einfluss auf die Gesetzgebung und Ahndung nehmen und nationale und internationale Klimabewegungen den Rechtsweg als ein wichtiges Werkzeug nutzen können, seid ihr in diesem Workshop richtig.

Workshopleiter*in: Baro Gabbert

Baro Vicenta Ra Gabbert studiert an der Bucerius Law School Jura. Dort rief sie 2019 die überparteiliche Hochschulgruppe zu Klima und Nachhaltigkeit ins Leben. 2020 gründete sie die „Climate Clinic“, die erste deutsche studentische Rechtsberatung für Klimaaktivist:innen. Sie ist Referentin, Moderatorin und Dozentin für die Themen Mediation sowie Klimaschutz durch Recht. Zudem ist sie Unterstützerin der Lawyers for Future.

Baro Gabbert

Rechte für die Natur: Eine Idee, deren Zeit gekommen ist

Die bisherige Umweltgesetzgebung betrachtet Natur als Gegenstand, der dem menschlichen Nutzen untergeordnet ist und keinerlei Eigenwert hat. Artensterben, Klimawandel, die Verschmutzung und Zerstörung ganzer Ökosysteme, die uns mittlerweile an den Rand des Kollaps von (Teil-)Systemen geführt haben, konnten damit jedenfalls bislang nicht aufgehalten werden. Demgegenüber steht eine geforderte Neufassung von Natur als Rechtssubjekt, welches in eigenem Namen Klage führt. In der Geschichte hat eine Erweiterung des Rechtsbegriffs auf neue Träger/innen von Rechten immer auch zu einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel geführt. Einem Fluss, einem Wald oder einer Tierart Rechte zuzusprechen: das ist in Ecuador, Neuseeland oder Spanien bereits Realität, und gewinnt auch in Deutschland zunehmend mediale Aufmerksamkeit. Was steckt dahinter? Und inwieweit ist dies geeignet, die Rolle des Menschen auf unserem Planeten zu hinterfragen und Baustein für die so schwer zu fassende „große Transformation“ zu werden? Im Workshop gehen wir diesen Fragen nach und schauen auf verschiedene Kontinente, wo die Rechte der Natur bereits umgesetzt werden.
Zum Workshop wird Patricia Túqueres vom Volk der Kichwa aus Otavalo dazugeschaltet: Sie wir per Zoom über die Bedeutung der Natur und Rechte der Natur aus Sicht ihrer Kultur berichten und mit den Teilnehmenden diskutieren.

Workshopleiter: Christian Cray (Umweltpädagoge, Aktivist) & Patricia Tuqueres Pichamba (Indigene Aktivistin, Ecuador)

Christian Cray (Dipl. Umweltpädagoge) ist Teil der Global Alliance for the Rights of Nature (GARN). Bevor er 2022 nach Freiburg zog, lebte er in Ecuador, wo die Rechte der Natur in der Verfassung verankert sind. Dort arbeitete er mit indigenen Völkern im Amazonasgebiet zur Stärkung ihrer kollektiven Menschenrechte mit Methoden der Theaterarbeit, Medienerstellung und Organisationsentwicklung. Als Teil des Netzwerk „Learn to Change“ engagiert er sich gemeinsam mit Bildungspraktiker/innen aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa für innovative und transformative Bildungsformate.

Christian Cray

Patricia Tuqueres Pichamba, Ecuador. Patricia stammt aus der Gemeinde San Juan de Inguicho/Provinz Imbabura und ist vom Volk der Otavalo-Kichwa. Sie arbeitet als Medienreferentin in der Presse- und Medienagentur Tegantai und gehört dem Frauenkollektiv Saramanta Warmikuna von der NGO Acción Ecológica an. Sie ist auch journalistisch tätig, vor allem zu den Rechten der Natur und deren Umsetzung in den Anden und im Amazonasgebiet Ecuadors.

Mit Utopien inspirieren: Zukunftserzählungen, die motivieren

Für welches gesellschaftliche Zukunftsbild stehst du eigentlich? Wie sieht es in deiner persönlichen Utopie aus? Wie begegnen sich die Menschen, wie leben sie mit der Natur zusammen, wie arbeiten sie? Arbeiten sie überhaupt?
Kraftvolle Gesellschaftsvisionen dienen als Leitsterne für das eigene Handeln und laden andere Menschen dazu ein, sich einer Sache anzuschließen und zu engagieren. Doch dafür muss mensch erst einmal eine klare Vision haben.
Im Workshop erarbeitest du Facetten deiner eigenen Utopie und überträgst diese auf dein eigenes Handeln. Du lernst Möglichkeiten kennen, wie du schnell ins utopische Denken kommst und was es bedeutet, deine Utopie in deinen Alltag einfließen zu lassen. Denn das Geheimnis zur Realisierung der Utopie ist es, schon den Weg dorthin utopisch zu gestalten.

Workshopleitung: Johannes Wullenweber, Reinventing Society

Johannes (er) arbeitet zu der Frage, wie wir menschliche, gemeinwohlorientierte und regenerative Organisationen gestalten können. Dabei forscht er unter anderem zu Utopien als Werkzeug, um Menschen neuen Zugang zu ihrer Gestaltungskraft zu eröffnen und Wandel auf persönlicher, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene in Einklang zu bringen. Zuvor war er im Bereich Energiewende und Nachhaltigkeitsberatung tätig.

Johannes Wuellenweber

Klassismus: Warum arme Menschen ausgeschlossen werden und was wir dagegen tun müssen

Eine Bewegung, über die nicht berichtet wird, findet nicht statt: Als Bewegungen brauchen wir Presse und Medien, um unsere Anliegen einer breiten Öffentlichkeit deutlich machen. Doch wie können wir aus einer marginalisierten Position mit Pressevertreter*innen sprechen? Welche Fallstricke, welche Möglichkeiten beinhaltet diese fragile Beziehung? Und wie überzeugt man Menschen eigentlich am besten von der Notwendigkeit sozialen Wandels? Wie geht Veränderung und welche Rolle spielt Kommunikation darin? Diesen Fragen und euren Anliegen werden wir uns aus einer Bewegungsperspektive widmen.

Die Workshopleiterinnen stehen nicht fest

Vom Verschwinden der Tiere: eine Bestandsaufnahme und Hoffnung durch Handeln

In diesem Workshop schauen wir auf den aktuellen Zustand unserer Tierwelt – wie steht es um das Leben auf unserem Planeten und wie sind wir an diesen traurigen Punkt gekommen? Welche Weltsicht ist dafür verantwortlich und wie können wir uns davon lösen, um uns aus Zerstörern zu Beschützern und Erneuerern unserer Welt zu verändern? Am Ende erkunden wir, was auch Du zu einer Transformation unserer Erde beitragen kannst, um eine neue, lebendigere und gerechtere Gemeinschaft aller Lebewesen zu forcieren.
Mittels Präsentationen, Videos, Gruppen- und Einzelarbeiten versuchen wir auf die Emotionen jeder teilnehmenden Person einzugehen und aus diesen dann persönliche Sorgen, aber auch Werte, Wünsche und Motivationen zu erkunden. Eine abschließende Übung dient dazu zum eigenen Handeln anzuregen.

Workshopleiter*innen Peter Biedermann & Vienna Kowallik

Peter Biedermann leitet die Professur für Forstentomologie und Waldschutz an der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiter*innen erforscht er die Biologie und das Verhalten von Borkenkäfern. In der Lehre versucht er seine Leidenschaft für ökologische Zusammenhänge und Artenvielfalt in der Natur zu vermitteln. Damit ist er natürlich unmittelbarer Beobachter und Vermittler des massiven Artenrückgangs, insbesondere von Insekten und Vögeln in unserer Umwelt. Um bei diesem traurigen Thema nicht verrückt zu werden, beschäftigt er sich mit der tiefenökologischen Arbeit von Joanna Macy „the work that reconnects“ und „Hoffnung durch eigenes Handeln“. Kürzlich wurde seine Professur für das Lehr- und Naturschutzprojekt „Exploratorium Lebendiges Wittental“ mit dem ersten Platz des Naturschutzpreises der Stadt Freiburg ausgezeichnet.

Vienna Kowallik ist Biologin, hat in Kiel studiert und am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön ihren PhD gemacht. Danach hat sie 4.5 Jahre in Okinawa (Japan) gelebt und an Honigbienen-Mikroorganismen Interaktionen geforscht. Ihre Forschungsschwerpunkte sind auch jetzt noch Wirt-Mikrobiom Beziehungen, was sie nun hier in Freiburg an dem System der Borkenkäfer in der Professur für Forstentomologie und Waldschutz fortführt. Besonders interessiert es sie, die Funktionen von Mikroorganismen zu entschlüsseln und wie diese Funktionen und die Zusammensatzung der mikrobiellen Gemeinschaften im Allgemeinen, von abiotischen und biotischen Interaktionen mit der Umwelt, dem Wirt und anderen Mikroorganismen verändert werden. Ihr  Anliegen ist es, das Zusammenspiel von Wirt, Mikrobiom und Umwelt fundamental zu verstehen, weshalb sie besonders gerne verschiedene Methoden aus der Molekularbiologie mit Freilandforschung und kontrollierten Laborexperimenten kombiniert.“

Peter Biedermann, Biodiversitätsexperte, Uni Freiburg

(Erwerbs-)Arbeit und die sozial-ökologische Transformation

Den meisten Menschen ist bekannt, dass die Transformation zur zukunftsfähigen Gesellschaft und Lebensweise nur durch sehr viel Engagement, konkrete Projekte und auch Auseinandersetzungen möglich wird. Umfragen belegen, wie gerne Menschen zum Wandel statt zur Aufrechterhaltung des zerstörerischen Status Quo beitragen würden. Doch warum engagieren sich nicht mehr Menschen? Eines der meistgenannten Hindernisse ist der Zeitmangel, weil die Erwerbsarbeit zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Die ökologisch und gesellschaftlich katastrophalen Folgen der Erwerbsarbeit stellen in unserer Arbeitsgesellschaft ein vielbeschwiegenes Tabu dar. Wer viel Arbeitet gehört dazu und wird gebraucht. Wer Sorge-Arbeit (Erziehung, Pflege, Betreuung…) oder unbezahlt aktivistisch arbeitet, leidet oft unter Geldmangel, Sanktionierung (JobCenter) und (Alter-)Armut.

Der Workshop stellt Ideen und Praxen vor, die es möglich machen, kreativ, selbstbestimmt und Gemeinwohl förderlich zu arbeiten, ohne die schädlichen Folgen der eigenen Arbeit verdrängen oder rationalisieren zu müssen.

Workshopleiter: Tobi Rosswog, Freier Dozent, Autor, Aktivist & Initiator

Als Aktivist, freier Dozent, Autor und Initiator ist Tobi Rosswog für die sozial-ökologische Transformation unterwegs. Mit all seiner Zeit und Energie setzt er sich für den Wandel ein – hin zu einer Gesellschaft jenseits von Arbeit, Eigentum, Geld und Tauschlogik. Seit über zehn Jahren ist er in diesem Sinne aktiv und lädt in rund 150 Vorträgen im Jahr zum Perspektivwechsel ein. Unter anderem initiierte er die Bewegung living utopia, das BildungsKollektiv imago, das Medienkollektiv Wandelwerkstatt, den solidarischen Mitmachbahnhofskiosk zur molli und die utopischen Freiräume Funkenhaus sowie das K20 Projekthaus mit, um diese Ideen praktisch erfahrbar zu machen. Er schrieb das Buch »AFTER WORK« (2018) sowie als Teil des I.L.A. Kollektivs» Das Gute Leben für Alle« (2019) und auch als Teil des Redaktionskollektivs Autokorrektur das »Aktionsbuch Verkehrswende« (2021) und veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Büchern, Zeitungen sowie Zeitschriften oder Artikel als Redakteur des NANU-Magazins. Sein derzeitiger Lebensmittelpunkt ist Wolfsburg, wo er sich mit anderen Mitstreiter:innen des Projekthauses „Amsel 44“ das große Ziel gesetzt hat, den automobilen Giganten VW zum Zentrum der VerkehrsWende zu machen.

Organizing – Brücken bauen für wirkmächtige Allianzen

Es gibt eine sehr große transformative Bewegung, die aus einer unüberschaubar großen Anzahl von kleinen und größeren Gruppen besteht. Sie alle kämpfen mit denen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für eine angemessen Bearbeitung der von ihnen monierten Ungerechtigkeiten und Probleme. Mit dieser arbeitsteiligen Adressierung lassen sich viele Fortschritte in vielen Bereichen erzielen. Doch können Auseinandersetzungem um große strukturelle Probleme kaum von in ihrer Wirkmacht stark begrenzten Gruppen entschieden werden. Dazu braucht es breit aufgestellte Bewegungen, die Probleme nicht nur auf die Agenda bringen können, sondern die nötige Macht aufbringen, damit die notwendigen Entscheidungen in ihrem Sinne ausfüllen. Doch wie könen wir solche Allianzen aufbauen und trotz in Teilen abweichender Ziele schlagkräftig machen? Der strategische Ansatz hierzu lautet: Organizing.

Workshopleiterinnen stehen noch nicht fest

Wachstumszwang kompostieren – Let's map Ökofeminismus

Ökofeminismus ist geprägt durch soziale Bewegungen und eine reflexive Wissensproduktion. Diese verbinden die Unterdrückung von Ökologien mit der von Frauen, Queers, migrantisierten oder rassifizierten Menschen und weiteren marginalisierten Gruppen. Ein Mapping wird uns ermöglichen ökofeministische Fragen zu Degrowth zu diskutieren. Dieser workshop lebt durch gemeinsame Raumgestaltung und lässt dennoch non-verbale und verbale Teilnahme zu.
Fragen des Workshops:
Was nervt uns_dich in der Wachstumsgesellschaft?
Wie wollen wir_du Arbeit organisieren?
Was ist eigentlich Natur?
Was heißt es für uns_dich solidarisch zu sein?

Workshopleiter:in: Lina Hansen (sie / ihre)

Lina Hansen hat in Bremen, Groningen und Tiflis studiert und in Jena den soziologischen Master mit dem Schwerpunkt „Gesellschaftliche Transformation und Nachhaltigkeit“ erfolgreich abgeschlossen. Sie organisiert gerne transdisziplinäre feministische Konferenzen und arbeitet aktuell an einem Promotionsvorhaben zum Thema ökofeministische Solidarität. Sie liebt es gemeinschaftlich zu ackern und zum Kennenlernen einer anderen Person den Garten dieser zu besuchen.

Lina Hansen

Impressionen

Die Projektphase

Die Zukunftsakademie will junge Menschen empowern und sie befähigen zu Gesellschaftswandler:innen zu werden. Die Transformationsforschung zeigt, dass Menschen, die den ersten Schritt in Richtung gesellschaftsveränderndem Engagement unternehmen, häufig auch weitere Schritte unternehmen. Daher verfolgt die Zukunftsakademie zwei zentrale Ziele:

  1. Menschen darin zu unterstützen, dass sie für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Lebensweise tätig werden: vorangehen, den Wandel einfordern und zum Wandel anstiften.
  2. Die Teilnehmenden entwickeln in Form konkreter transformativer Projekte Wege in Richtung Zukunftsfähigkeit und inspirieren Menschen ebenfalls tätig zu werden. Diese Projekte sollen weitere Menschen zum Wandel-Handeln bewegen. Im besten Fall bewirken diese Projekte einen Schneeballeffekt: Menschen bewegen sich, was andere Menschen bewegt, wodurch die Gesellschaft verändert wird und gesellschaftliche Bewegung / Transformation entsteht.

In der zweiten Zukunftsakademie wurden verschiedene transformative Projektideen erarbeitet, deren Umsetzung zeitnah erfolgen soll. Die Verantwortung hierfür obliegt den Projektteams, das Team der Zukunftsakademie leistet auf Wunsch Unterstützung.

Anmerkung: In der zweiten Zukunftsakademie haben wir uns intensiv mit den Blindspots der europäischen transformativen Bewegungen auseinandergesetzt. Die Auseinandersetzung mit unserer klassistischen, sexistischen, rassistischen und adultistischen Gesellschaftsstruktur und unserer ebensolcher Sozialisation hat intensive Debatten und klärende Auseinandersetzungen hervorgerufen. Die hierdurch notwendig gewordenen Klärungs- und Selbstverortungsprozesse haben sich bis weit in die Projektphase hineingezogen. Das Ergebnis: Für die auf drei Tage angedachte Projektentwicklungs- und Erarbeitungsphase blieben nur noch eineinhalb Tage Zeit, weshalb viele der entwickelten Projekte nicht vollständig ausgearbeitet werden konnten.

Infos zu den Projekten, zum Umsetzungs- und Realisierungsstand sowie zu den Möglichkeiten sich einzubringen und zu unterstützen findest du in den einzelnen Projektberichten.

ProjekteZukunftsakademie 2023
27. November 2023

Produktive Arbeit in heterogenen Gruppen

Pädagogische Konzepte für die produktive Arbeit in und mit heterogenen Gruppen Durch das Benennen und Sichtbarmachen der vielen Chancen, Risiken und Fallstricke bei der Arbeit in und mit heterogenen Gruppen…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Plurale Ökonomik: Alternativen zu neoliberalen Dogmen

Plurale Ökonomik: Alternativen zu neoliberalen Dogmen Die Gruppe beschäftigte sich mit alternativen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischenStrukturen, mit Alternativen zum neoliberalen Kapitalismus und nicht-destruktiven, im Idealfall regenerativen Lebensweisen. Dafür erstellten die Gruppenmitglieder*innen…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Ich kehre tausendfach zurück

Ich kehre tausendfach zurück Das Projekt lehnt sich an die Publikation „Ich kehre millionenfach zurück“ von glokal e.V., die den Widerstand gegen den Kolonialismus sichtbar machen möchte, an. Bei dem…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Kontraste Memory

Kontraste-Memory: Alles könnte anders sein In diesem Projekt wurde ein Memory-Spiel entwickelt, bei dem die zusammengehörenden Karten, anders als beim berühmten Ideal, jedoch nicht dasselbe Bild zeigen, sondern Gegensätze darstellen.…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Begegnungen empowern

Begegnungen empowern Das Projekt soll Menschen aus marginalisierten Gruppen eine SUmme geben, sie sichtbar(er)zu machen und ihre individuellen Geschichten zu erzählen. Der Schwerpunkt sollte dabei aufEmpowerment- und Selbstwirksamkeitserfahrungen liegen. Die…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Media Attention Gap

Media Attention Gap – Den Globalen Süden sichtbar machen Die Gruppe möchte auf die Media Attention Gap, die Problematik der ungleichverteilten Berichterstattung in Medien des Globalen Nordens, in Form eines…
ProjekteZukunftsakademie 2023
26. November 2023

Mehr Grün und Bunt in der (Innen-)Stadt

Mehr Grün und Bunt in der (Innen-)Stadt: Weil mehr Pflanzen das Leben besser machen Die Gruppe setzt sich für grünere (Innen-)Städte ein. Mit selbstgemalten Plakaten, die über die Vorteile von…
ProjekteZukunftsakademie 2023
12. Oktober 2022

Gefühle als Teil einer solidarischen Gesellschaft

Gefühle sind Teil einer transformativen Kultur Die Gruppe beschäftigte sich damit, auf welche Art und Weise der Umgang und das Auseinandersetzen mit Gefühlen Teil einer transformativen Kultur ist. Für eine…

Die Projektteams stellten ihre Arbeiten im Rahmen der Abschlussveranstaltung der interessierten Öffentlichkeit vor.

Dankeschön für eure Arbeit und eure tollen Ideen.

Impressionen der Projektphase

Die ZAF hat in mir richtig viel bewegt und mich dazu angeregt meine Prioritäten im Leben immer und immer wieder zu überdenken. Am meisten bereichert haben mich die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte und die Vielfalt der Workshops, Vorträge und Themen mit denen wir uns beschäftigt haben.
Bianca (Teilnehmerin der Zukunftsakademie 2023)

Teilnehmerin

Öffentliche Vorträge im Rahmen der Zukunftsakademie:

5 öffentliche Vorträge fanden im Rahmen der Zukunftsakademie statt.

Den Auftakt machten am 1. August 2023 der in Jena forschende Soziologe Klaus Dörre und der in Basel lehrende Gesellschaftstheoretiker Alex Demirovic. Klaus Dörres, aufgrund einer Erkrankung, online gehaltener Vortrag, entwickelte um das Reizwort Ökosozialismus Umrisse einer gerechten, partizipativen, ökofemenistischen und nachhaltigen Gesellschaft: eine konkrete Utopie. Dass es hierfür grundlegender systemischer Veränderungen in der Art wir produzieren und den dabei entstehenden Reichtum verteilen betonte Alex Demirovcs in seinem Vortrag. Als eine Voraussetzung hierfür sieht er die Befriedung unserer gewaltsamen Mensch-Natur-Beziehung und die Überwindung der nicht minder gewaltsamen Ausbeutungsverhältnise zwischen Menschen.

Peter Emorinken-Donatus‘ Vortrag Ökozid – Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden diejenigen, die am 2. August in der Aula der Katholischen Akademie dabei waren, schwerlich vergessen können. Peters Klarheit, Offenheit und Ehrlichkeit mit der er die Zuhörenden in die katastrophische Normalität der Ökozide im Globalen Süden mitnahm und sie dabei mit ihrem eurozentristischen, (post-)kolonialistischen und rassistischen Perspektiven konfrontierte, brachte buchstäblich Steine ins Rollen und hat noch lange im Nachgang für heftige, klärende aber auch wohltuende Debatten und Auseinandersetzungen gesorgt. Danke lieber Peter für deinen unermüdlichen Kampf für Gerechtigkeit! Hier gehts zum Video des Vortrages

Am 4. August 2023 fand unser Themenabend statt: Kämpfe verbinden – Allianzen für eine gerechte, faire und ökologische Gesellschaft. Teilnehmende waren: Francis Seeck (Klassismusforscherin, Berlin/Erlangen), Nava Zarabian (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt a. M.), Dejan Mihajlovic (Bildungs- und Diskriminierungsexperte, Freiburg), Lina Hansen (ökofeministische Forscherin, Jena) und Alex Demirovic (Philosoph, Basel). Aus den verschiedenen Perspektiven der Teilnehmenden debattierten wir über die zentrale Fragen: Wie können die progressiven Bewegungen größer und wirkmächtiger werden, um in regressiven Zeiten (siehe die Erfolge der AFD und anderer rechtsextremer und rechtspopulistischer Bewegungen) das Erreichte zu verteidigen und erfolgreich daraufhinarbeiten, dass sich die dramatisch verschärfenden Multiplen Krisen endlich mit der notwendigen Klarheit anerkannt und bearbeitet werden. Trotz in Teilen unterschiedlicher Analysen und Bewertungen waren sich die Teilnehmenden der Gesprächsrunde einig, dass Rassismus, Klassismus, Sexismus und Adultismus (systemische Diskriminierung junger Menschen durch ältere Menschen) keinesfalls zu vernachlässigende, zweitrangige Probleme sind, sondern dass Gesellschaften, die rassistisch, sexistisch, klassistisch und adultistisch strukturiert sind, bei der Bewältigung so gewaltiger Probleme wie der fehlenden Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschafts- und Lebensweise mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Hier gehts zum Video des Themenabends

Kübra Gümüşay stellte am 5. August 202 in ihrem Vortrag Alternative Zukünfte die Frage, wer die von uns heute als so krisenbehaftet und defizitär erlebte Welt erdacht und durchgesetzt hat. Wenn, so Kübras These, die Welt wie sie heute ist, in der Vergangenheit von Menschen, die auf eine derartige Welt hingearbeitet haben, erdacht und verwirklicht worden ist, dann muss es auch Wege geben, andere Welten bzw. andere Zukünfte, die gelingender, friedlicher, weniger katastrophisch sind, zu erdenken und für ihre Realisierung zu kämpfen. Kübra Gümüşay gelang es auf eindrückliche Weise ihr Publikum zu begeistern, was auch es eine zuhörende Person ins Gästebuch der Zukunftsakademie schrieb: „Kübra rockt!“. Hier könnt ihr den Vortrag als Video sehen

Den Abschlussvortrag fand aus gesundheitlich Gründen online statt. Marina Weisband zeigte in ihrem Vortrag am 7. August 2023 Aktiv sein und bleiben gegen die Multiplen Krisen auf eindrückliche Weise wie es gelingen kann auch unter widrigen Bedingungen gemeinsam mit vielen anderen auf eine bessere, gerechtere Welt hinzuarbeiten. Ihr Werkzeug, mit dem verschiedene Gruppen transformative Ideen entwickeln und konkrete Projekte umsetzen ist die Aula-App Das Projekt unterstützt junge Menschen darin, zu mutigen Gestalter:innen ihrer Welt zu werden. Marinas Vortrag war so bewegend wie inspirierend: Das von einem kleinen Team entwickelte und betreute Projekt Aula wird heute in einer Vielzahl von Schulen und Institutionen eingesetzt um mehr Partizipation zu erreichen und um diese Institutionen zu demokratisieren. Die Aula-App sollte in viel mehr Schulen und Institutionen eingesetzt wird, um unsere Gesellschaft demokratischer zu machen und dazu beizutragen, dass junge Menschen in den Bildungsinstitutionen statt Passivität und Frustration Empowerment und Selbstwirksamkeit erleben. Falls ihr Lehrer:innen o. ä. seid – unbedingt ausprobieren und in eurer Institution einführen. Hier kann der Vortrag als Video angesehen werden

Danke für …

Danke allen Vortragenden und Mitwirkenden bei der Podiumsdiskussion: Marina Weisband, Peter Emorinken-Donatus, Nava Zarabian, Kübra Gümüşay, Francis Seeck, Lina Hansen, Dejan Mihajlovic, Alex Demirovic, Klaus Dörre

Danke dem wunderbaren Team der Katholischen Akademie, besonders: Andrea Boldt, Werner Kunzweiler, der Küchen-Crew, dem Hauswirtschaftsteam

Danke fürs Filmen und den unermüdlichen Support:
Jürgen Baumeister und Dagmar Große

Danke an das ZAF-Team: Linda, Esther, Teresa, Finja, Wiebke, Tobi

Danke, dass ihr die Zukunftsakademie möglich gemacht habt: Dankeschön an den GLS Treuhandfonds: Silke Schuler; die EWS: Tanja Gaudian und Philipp Appenzeller, die Stadt Freiburg (Umweltschutzamt): Robert Gundlach; Brot für die Welt: Marianne Hanke, Stiftung Umverteilen, Aktionsgruppenprogramm von Engagement Global, Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Deutsche Klimastiftung, dem Biosphärengebiet Schwarzwald: Carolin Gums